Was, wenn... 

________________

Antworten auf gängige Fragen

rund um den Sattel finden Sie hier

 

In dieser Rubrik finden Sie Antworten auf manch gängige Fragen rund um das Thema Besattlung. Die meisten Punkte wären aber individuell am Pferd und mit dem Reiter zu betrachten, um eine adäquate Lösung bieten zu können. Mit "gesundem Menschenverstand" und einem klaren Blick von Außen auf sich und das eigene Pferd, können aber einige Aspekte auch selbst, Zuhause, gelöst werden. Sollten Sie sich unsicher sein, empfiehlt es sich stets, einen Fachmann zu befragen. Die Antworten zu den Punkten finden Sie unten.

 

1) ... der Sattel knarrt?

2) ... das Pad rutscht?

3) ... mein Schuh am Fender hängen bleibt?

4) ... ich im Sattel schief sitze?

5) ... mein "blevin buckle" am Gurtring scheuert?

6) ... der Rücken rund ist und der Sattel rutscht?

 

________________

 

1) ... der Sattel knarrt?

Leder ist ein Naturprodukt. Es nimmt Feuchtigkeit auf und gibt dieses auch wieder ab. Dieser Prozess ist abhängig von der Witterung (Jahreszeit / Klima) und Lagerung (trockene / feuchte Sattelkammer). Wird oder ist Leder (also die Haut) vom eigenen Fettgehalt her trocken, so können diese Lederflächen, die bei einem Westernsattel in sogenannten Skirts übereinander liegen, aneinander reiben. Dann knarren oder quietschen sie. Der Eigenfettgehalt des Leders ist aber nicht mit von außen zugefügtem Öl zu verwechseln.

Das können Sie tun: Zugängliche Stellen wie die Fender-Riemen können mit Flüssigsattelseife (keine sehr nasse Sattelseife verwenden, lieber Sprühsattelseife) abgerieben werden, um diese geschmeidiger zu machen. Kommt das knarrende Geräusch mehr von den Innenflächen des Sattels, so ist die Behandlung mit Babypuder oder Fußpuder (Talkumpuder) eine sehr effektive, gängige und altbewährte Methode.
Legen Sie Ihren Sattel auf den Rücken auf den Boden und klappen Sie die Steigbügel / Fender nach außen. Spreizen Sie die Skirts auseinander und streuen Sie das Puder tief zwischen diese Lederritzen. Je nach Bauart des Sattels können Sie den Sattelbaum von unten sehen. Der Vorgang kann zu zweit einfacher sein: einer hält die Lederflächen auseinander, ein anderer pudert. Überschüssiges Puder auf dem Leder kann mit einem Tuch abgewischt werden. Achten Sie darauf, dass der Sattel bei der Behandlung trocken ist und nicht gerade vorher im Regen war und das Leder voll Feutigkeit gezogen ist, da das Puder dann nicht so gut bis nach unten durchrieselt.
Neue, helle Sättel sind naturbelassen – also nicht durchgeölt. Daher knarzen neue Sättel manchmal häufiger. Dunkle Sättel aus einer hochwertigen Fertigung sind meist durchgeölt und nicht gefärbt.
Tipp für eine trockene Sattelkammer: sollten Ihre Sättel in der Sattelkammer im Winter beschlagen, so empfiehlt es sich stets einen Socken mit Katzenstreu aufzuhängen. Dieser Saugt die Feuchtigkeit aus der Luft und verhilft so zu einem besseren Klima in der Sattelkammer.

________________

 

2) ... das Pad rutscht?

Wenn das Sattelpad unter dem Sattel verrutscht, kann das verschiedene Ursachen haben. Dem Pferdebesitzer bleibt dann nur die Suche nach möglichen Ursachen und eventuell ist es nötig, verschiedene Lösungsmöglichkeiten auszuprobieren.  Dabei ist auch zu beachten, ob es nach hinten, zur Seite oder diagonal verrutscht.  Ursachen können sein:

a) Das Material: Material und individueller Haut- beziehungsweise Haartyp begünstigen sich gegenseitig in einem rutschigen Gefüge. Echte Lammfell Pads werden zu Beginn häufig als „rutschig“ empfunden. In der Regel ist dies nur bei ganz neuen Pads der Fall. Einige Male verwendet und vom Pferd etwas „eingeschwitzt“ liegen sie dann zuverlässig und problemlos. Sehr dicke Pads mit weicher Polsterung liegen manchmal "schwammig" und verrutschen. Doppelt gefaltene Blankets können sich anfänglich verschieben, sollten nach einigem Gebrauch aber korrekt liegen. Manche synthetischen Materialien können einen höheren "Gleiteffekt haben.

b) Die Bewegung des Pferdes: beim Longieren könnnen Pads im Trab oder Galopp verrutschen, wenn ein Pferd den Rücken aufwölbt. Der Sattel kann dann etwas wippen, obwohl er grundsätzlich passt und der Gurt angemessen gegurtet wurde (nicht zu fest, am Brustbein müssen Finger noch zwischengeschoben werden können). Hat ein Pferd eine starke Bewegung aus der Hüfte und ist etwas überbaut, so könnte dies ein Rutschen des Pads begünstigen. Auch die Form der Rückenlage (tiefer Punkt) kann entscheidend sein. Wenn das Material nun auch noch für ein Gleiten auf dem Haar sorgt, so sind das ein zusätzlicher ungünstigerAspekt. In slchen Fällen kann es helfen, ein Material zu verwenden, das zur Oberseite des Sattel hin eher haftet als rutscht.

c) Runder Rücken, wenig Halt: einige Rassen, deren Herzförmiger Rücken weder Wiederrist noch Rückenlage (Senke) aufweist, haben nicht selten ein „Sattelproblem“ – beziehungsweise deren Besitzer. Ist ein entsprechend breiter Sattel gefunden, so bietet der Rücken aber nicht viel Halt und auch das Pad kann hier mangels Rückenlage leichter verrutschen.

d) Schiefer Reiter, schiefes Pferd: Rutscht ein Pad häufig zu einer Seite, so kann dies auch ein Hinweis auf eine Schiefe im Pferd oder im Sitz des Reiters sein. Reiter, die in der Hüfte einknicken oder einen Steigbügel mehr austreten als den anderen, wirken seitlich auf den Sattel. Es entsteht mehr Druck auf einer Seite. Hierdurch kann es sein, dass das Pad auf die gegenüberliegende Seite gedrückt wird. Auch ein Pferd, dass seine Muskulatur auf dem Rücken einseitig fest hält, lässt Baum und Pad unterschiedlich zum Liegen kommen. Wenn also keine Besserung durch ein anderes Pad-Material erzielt werden kann, sollte bei seitlichem Rutschen immer Pferd und Reiter in der Bewegung analysiert und beurteilt werden. Als Beispiel kann ein einseitig starkes Treiben mit der Ferse schon eine Ursache für einen schief auf das Pferd wirkenden Reiter sein.

Artikel zum Thema: "Was, wenn ich schief sitze" und Tipps beim "runden Rücken" unter "Gurte & Zubehör" oder "Was, wenn der Sattel rutscht?"

 

 ________________

 

3) ... mein Schuh am Fender hängen bleibt?

Ein Problem der Kleinen. „Mit 1,57m Größe darf ich das sagen, ohne irgendjemanden zu diskriminieren“, lacht Rika Kreinberg. „Im Westernsattel ist dies ein Problem, das hauptsächlich kleinere Reiter betrifft“. Grund dafür ist der Schnitt oder die Form des Fenderleders. Der Fender ist zum Steigbügel hin in einem Bogen geschnitten. Je nachdem wie und ob ich nun den Steigbügel lang oder kurz verschnalle, verlängert oder verkürzt sich somit auch der Fenderriemen. Bei langen Bügeln rutscht die Rundung des Fenders somit nach oben und bei kurz verschnallten Bügelriemen nach unten in Richtung Fuß. Und hier kollidiert dann die Schuhkante mit der Rundung des Fenders. Da der Westernreiter in der Regel Cowboystiefel trug oder trägt, tangierte das auch niemanden. Der Freizeitreiter hierzulande, der aber gerne halbhohe Schuhe oder Wanderschuhe trägt, bleibt damit am oberen Rand gelegentlich hängen.

Lösung:
a) Fragen Sie bei Ihrem Sattler, ob er für Ihren Satteltyp Fender für Reiter mit kürzeren Beinen anfertigen oder bestellen kann (wenn überhaupt möglich meist zwischen 300-400 €).
b) Tragen Sie Chapsletten beim Reiten oder wechseln Sie von halbhohen Schuhen auf Stiefel. Hinweis: Aus Sicherheitsgründen sollten im Westernsattel Stiefel mit Absatz getragen werden, um ein Durchrutschen des Fußes zu verhindern. Wanderschuhe mir durchgehender und stark profilierter Sohle sind daher für das Reiten im Westernsattel nicht zu empfehlen.

________________

 

4) ... ich im Sattel schief sitze?

Schief hingesetzt – individuell auf Lösungssuche gehen: Der Sattel, der Reiter, das Pferd

Dieses Thema ist nicht nur aus Sicht der Besattlung zu beurteilen, sondern auch aus reiterlicher und therapeutisches. Es stellen sich daher folgende Fragen, die zu beantworten wären:

1. Ist der Sattelbaum oder der Lederzuschnitt schief oder defekt?
2. Ist die Sattelunterlage schief?
3. Ist der Reiter schief?
4. Ist das Pferd schief?

Den ausfürhlichen Beitrag dazu inklusive Video-Clips lesen Sie hier.

________________

 

5) ... mein "blevin buckle" am Gurtring scheuert?

Das Blevin Buckle ist der "Schieber", der in Verbindung mit dem Ende des Fenders mit einer Metallplatte am Steigbügelriemen in den entsprechenden Löchern die Längenverschnallung regelt. Es gibt diese "Schieber" entsprechend den Maßen (Breite) des Steigbügelriemens in verschiedenen Formen und auch Größen. Sattlereien nutzen teilweise unterschiedliche Blevin Buckles. Je nach Anatomie des Pferdes (Rippenwölbung breit), Sitz des Reiters (Stuhlsitz, Anlehnen am Cantle), Beinlänge und je nachdem, wo an dem individuellen Sattel die Gurtung mit Ring angebracht ist, kann es in Einzelfällen vorkommen, dass dieser Blevin Buckle am Sattelleder scheuert.

Liegt die Steigbügelfixierung tiefer als Sattelleder oder Pad den Pferdekörper abdecken, so kann es auch zu Scheuerstellen direkt am Pferdekörper kommen. In diesem Fall müßte sofort Abhilfde geschaffen werden, um das Pferd nicht zu verletzen.

Peter Kreinberg gibt in diesem Clip Tipps, wie Sie die Lage der Steigbügellängenfixierung und die des Blevin Buckles in der Lage verändern können.

 

________________

 

6) ... der Rücken rund ist und der Sattel rutscht?

Eine gute Rückenlage war stets ein Merkmal guter Zucht. Gewünscht für ein Reitpferd war und ist, dass das Pferd eine Oberlinie aufweist, deren Widerrist harmonisch in einen nicht zu gerade aber auch nicht zu langen und schwungvollen Rücken läuft. Ein Pferd mit einer guten Rückenlage ist immer wünschenswert, möchte man ein Pferd, dessen Anatomie es ihm leicht macht, den Reiter zu tragen und dessen Anfragen zu erfüllen.

Reitpferde heute sind nicht nur bunt in Rasse und Typ, sondern auch in ihrem Exterieur unterscheiden sich stark voneinander. Ob warmblütige, vollblütige, barocke oder kaltblütige Typen – einige davon entstammen aus einer traditionellen, gut selektierten Reitpferde-Zucht. Andere hingegen wurden nie zum Reiten gezüchtet, sondern für das Ziehen von Kutschen oder zum Arbeiten im Wald. Unter dem Westernsattel sieht man allerdings alle Rassen bundesweit – mit guten und mit weniger guten Rückenlagen.

Was Sie tun können, wenn sie einen eher runden Kandidaten mit rundem Rücken und wenig Sattellage im Stall haben und der Sattel schnell rutscht, lesen Sie hier:

"Was, wenn der Sattel rutscht?"

 

 

 

| RK

Copyright ©

Alle auf dieser Homepage gezeigten Bilder, Abbildungen, Video-Clips sowie Texte sind urheberrechtlich geschützt. Unerlaubtes Kopieren, Vervielfältigen und Veröffentlichen verpflichtet zur Unterlassung, zum Schadensersatz und stellt gem.§ 106 UrhG eine Straftat dar. Das Urheberrecht | Copyright© liegt bei Rika und Peter Kreinberg, The Gentle Touch GmbH.